Zauberer mit Telefon

Glücklicher März!
Es hat Spaß gemacht nachzuschauen, wie sich die Zahl der auf Amazon verkauften Exemplare Woche für Woche vermehrt hat. Ein Gewerbe habe ich inzwischen auch angemeldet. Ich bin nun ein Verlag und kann die für mich gedruckten Autorenkopien auch direkt verkaufen. Peinlich ist mir dabei aber, dass ich für Freunde und Bekannte auch noch eine Widmung reinschreiben soll. Du liebe Zeit! Was schreibt man denn in ein Buch? Vielen Dank für Ihren Einkauf, wie auf dem Kassenzettel? Wehe, es gefällt dir nicht? Das wohl kaum. Irgendetwas ist mir zum Glück immer eingefallen.

Es steht ja ohnehin zu befürchten, das ich in meinem Freundeskreis die Einzige bin, die ab und zu einen Fantasy-Roman in die Hand nimmt; vielleicht mal abgesehen vom Herrn der Ringe, den einige in ihrer Jugend gelesen haben. Daher auch die Klagen, dass es anstrengend ist, sich die schwierigen Namen zu merken.
Fantasy-Fans sind diesen Kummer gewöhnt und tatsächlich ist ein großer Teil der Namen weder ausgedacht noch alt. So sind die Wikinger ganz einfach Telefonbüchern, die Freunde mir von Reisen nach Schweden, Norwegen und Island mitgebracht haben, entnommen. Bei den Alberniziern ist es, zugegebenermaßen, schon etwas komplizierter: Die Grundlage bildeten die Königreiche Alba und Bernicia aus dem Britannien des 6. Jahrhunderts. Dementsprechend habe ich im Internet gegraben, wo fleißige Leute angelsächsische Männer- und Frauennamen zusammengetragen haben (geschichtsbesessene Engländer würden mir wegen der Vermischung wohl den Kopf abreißen). Und wo ich dann schon einmal dabei war, habe ich auch bei Namen der Goten und Merowinger nachgeschaut. Die Zauberer haben mir lange Zeit Sorgen bereitet, sollten sie doch klangvolle, exotische Namen haben. Dann besuchte, aufgrund welcher verschlungener Pfade auch immer, ein litauischer Premierminister in den 90er Jahren eine evangelische Kirchengemeinde in Aschaffenburg. Sein Vorname war Gediminas und ich dachte: Das isser! Älterer Herr, alter Name – so wie Wilhelm, Heinrich oder Emil heute eher ungebräuchlich. Im Internet fand ich dann unter Könige von Litauen ganz wunderbare männliche Vornamen. Kurz vor der Veröffentlichung holte mich dann aber die Realität ein bei der Nachverfolgung eines Anrufes in Abwesenheit. Ein Mann, dessen Stimme so klang als sei er in meinem Alter, sagte: „Ah, das war bestimmt mein Sohn. – Gediminas, kommst du mal ans Telefon?!“ Ich habe tapfer die Überraschung und das Lachen niedergefochten und dem jungen Mann, da sich der Auftrag erledigt hatte, verraten, dass ein Zauberer in meiner Geschichte auch Gediminas heißt (aber nicht, dass er der böse Zauberer ist). Im Gegensatz zu mir fand er seinen Namen aber nicht wunderbar, sondern meinte, er sei eher schwierig. Tja, hätte ich da auch mal ein Telefonbuch gehabt … So habe ich schnell noch eine Entschuldigung bei allen Gediminassen in die Widmung am Buchanfang geschrieben. Und allen, die sich mit den Namen schwer tun, verrate ich, dass sich hinten im Buch eine Personentabelle befindet, in der alle wichtigen Charaktere fett gedruckt sind. Im zweiten Band schreibe ich dann auch noch einen Hinweis darauf an den Buchanfang, für den Fall, dass doch nicht jede(r) Leser(in) zuerst das Ende des Buches durchblättert.

Der April war verkaufstechnisch, wie schon erwartet, ein eher ruhiger Monat. Leute, die mich kennen, haben ein Exemplar gekauft; der überwiegende Teil von ihnen hatte das schon im März getan. Nun muss ich mir überlegen, wie ich Leute, die mich nicht kennen, dazu bringe zu kaufen. Ja, ja, ich habe gesagt, es ist immer noch ein Hobby, aber irgendwie hat mich doch der Ehrgeiz gepackt – und das bei meinem Budget!

Ein paar Ideen habe ich aber schon zusammengetragen.

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